Am Ufer.
Salzwasser spritzt zu mir herüber.
Die Gondeln toben.
Ich greife nach der entfliehenden
Morgenstimmung
und falle ins Loch des Tages.
Gläsern ist dein Erwachen
im Morgenwind,
der durch die Gassen streift
wie ein zaudernder Mime
und den aromatischen Duft
gemahlenen Kaffees verschleppt
bis hin zur nächsten Schluchtenmündung,
wo der Geruch frisch lackierter,
venezianischer Masken
zurückschlägt.
Die Maske
verbirgt dein Antlitz.
Dein Gesicht
stellt sie
bloß!
Es pulsiert in der Stadt!
Leben und Tod prallen aufeinander,
Winter und Frühling, die ewigen Rivalen.
Ein monströses Herz schlägt hinter den Fassaden
und spült den Mummenschanz
durch die Blutbahnen der Stadt
in jeden noch so entfernten Campo,
der kleinsten Zelle
im großen Organismus.
Aus jedem Winkel kriechen die Blutkörperchen
und lassen sich vom Strom der Masken
mitreißen
in die gewaltige Arena der Phantasie.
Schneeflocken
wehen in den Pulk.
Die Menschenherde
drängt sich aneinander,
ein Meer von Masken, über die Piazza wogend.
Ein Rokokopärchen friert vornehm
unter den Arkaden,
Satan greift sich Pantalone,
um die Hölle zu heizen,
und die Harlekine wirken,
als würden sie an dünnen Fäden gezogen.
Schwarze Spitzen zittern über blutroten Lippen
in blutleeren Gesichtern.
Nur der koketten Kokotte,
deren Gewand zwei Männer sind, ihr
ist nicht kalt.
Die Maske
hat sich niedergelassen
zwischen den weißen Inseln
gedeckter Tische,
umgeben
vom Prunk geschwungener Linien
- hingeworfener Träumer
auf einer menschenleeren Bühne,
dem Maßstab der Illusion!
Vereinsamte Requisiten
als Surrogat für die Lebenslüge
lassen Masken
zu Fleisch und Blut gerinnen.
Wer sie wahrnimmt, weiß um die Tragik.
Uns zeigt sich
ein gänzlich verlassenes Lokal.
Die hauchzarten Magier
der Gegenwart
versammeln sich nach und nach
unter den Arkaden
und töten den bewussten Menschen.
Übrig bleibt
die animalische Fratze des Karnevals
und ein
silberhell perlendes Lachen.
Pierrot zählt die Stille.
Der Tropfen
weicht aus
und fällt nach oben.