Rudolf Zöllner-Weg 

Wenn Sie die vorher erwähnte Kreuzwegstation hinter sich gelassen haben, dann stehen Sie jetzt unmittelbar vor der Querung des Rudolf Zöllner-Weges

Zöllner (* 2.2.1845 – † 25.7.1926) war Musiker und prominenter Bürger der Stadt Baden. Er kam 1868 erstmals nach Baden. Bis dahin hatte er eine Stelle als Konzertmeister in Temesvar bekleidet. Dort werkte als Vorgesetzter der Bruder des hiesigen Kapellmeisters Johann Baptist Klerr, der ihn mit Empfehlung weiterreichte. Zöllner führte dann als erster den damals gerade neu erschienenen Strauß-Walzer „An der schönen blauen Donau“ im Badener Kurpark auf. Und wer spitzte die Ohren? Der betagte Grillparzer. 

Musikalisch konnte man Zöllner nichts anhaben, aber als er bei einer Park-Concert-Soirée gleich im ersten Jahr nicht den traditionellen Ansprüchen gerecht wurde, las man in der Zeitung: „Unsere Badekapelle schien über die Dislokation aus dem permanenten Orchester-Pavillon so sehr verstimmt gewesen zu sein, daß sogar Kapellmeister Hr. Zöllner vergessen hat, den obligaten schwarzen Dirigenten-Frack anzuziehen, was im Publikum eine höchst mißliebige Aufnahme fand.“ 

Offenbar zerrten die Badener Wertevorstellungen an seinen Nerven, weil noch im selben Jahr gingen sie ihm durch. Es kam in der Antonsgasse zu einer verbalen Auseinandersetzung mit dem Paukisten der Theaterkapelle, worauf diesem angeblich ein schwerer Schlag mit dem Stock auf den Hinterkopf (!) versetzt worden war, worauf er besinnungslos zusammenbrach und nach Bewusstwerdung mit blutigem Gesicht aus gleichgefärbter Wäsche blickte. Der ganze Zinnober ging vor Gericht, und die Zeitung schlagzeilte gfeanzt: „Ein Kapellmeister schlägt – aber nicht den Takt!“

Wie das Gericht entschied, wissen wir nicht, aber Zöllner wurde im Jahr darauf in der neuen Hofoper als Bratschist engagiert, wo er nun Karriere machte. Sogar zur Eröffnung der Bayreuther Festspiele wurde er als Orchestermitglied entsandt (1876).

Erstaunlicherweise schon als Pensionist kehrte Zöllner um 1889 nach Baden zurück, engagierte sich jetzt in der Gemeindepolitik, brachte Meister Komzák nach Baden und knüpfte enge Kontakte zu Josef Kassin, der bekanntlich den Undine-Brunnen in Baden realisierte wie zuvor den Brunnen der Erato, die heute auf dem Theaterplatz zur Aufstellung gelangt ist, früher aber im Hause Zöllners in der Wassergasse 18 den Garten zierte.

Zwischen 1898 und 1904 füllte Zöllner das Amt des Bürgermeisters aus. Unter ihm wurden so wichtige Projekte wie die Tiefquellen-Wasserleitung, die Kanalisation und eine Kläranlage verwirklicht. 

Wie viele Städte wurde Baden damals ausschließlich aus Hausbrunnen versorgt. Dieses Wasser war aber permanent durch Einträge aus Sickergruben und sowieso durch die Schwefelwasserquellen beeinträchtigt, und so reagierte Zöllner richtig, als er in einer vertraulichen Mitteilung vom Verkauf der damaligen Ebenfurther Papierfabrik Kunde erhielt, auf deren Areal seit 1830 ein großer, von Tiefquellen gespeister Brunnen existierte. 
 5700 m³ ausgezeichnetes Trinkwasser tägliche Schüttung, gleichzeitig für den Transport nach Baden genügend Energie aus der ebenfalls vorhandenen Wasserkraftanlage, das waren Argumente, denen sich die damaligen Gemeindeväter nicht verschließen konnten, obwohl die Konkurrenz aus dem Triestingtal vehement für ihre Sache stritt (Marientaler Quelle). 

Die Liegenschaft wurde 1899 von der Stadt Baden um 560.000 Kronen (ca. 2,3 Mio Euro) angekauft. 

In Zöllners Zeit fällt des Weiteren 1898 die Errichtung der eisernen Kaiser-Franz-Josef-Brücke über die Schwechat (heute Beginn der Vöslauer Straße), 1900 die Elisabethbrücke und der Sportplatz, 1903 das  Bezirksaltersheim und 1904 das Kaiser-Franz-Josef-Museum, dem wir heute noch einen Besuch abstatten können.

Trotzdem fand Zöllner noch Zeit und Muße, um ein Streich-Quartett zu gründen, mit dem er des Öfteren im Hotel Stadt Wien Konzerte abhielt, und als Vorstand des Männergesangsvereines zu wirken.

Zöllner galt auch als geübter Bergsteiger, bekleidete die Position des Obmannes der Sektion Baden des Alpenvereins und begrüßte 1912 als solcher die Festgäste bei der Eröffnung der Badener Hütte am Großvenediger. 

Musiker und Marschierer: Da liegt nahe, dass ihm 1898 ein Zöllner-Marsch gewidmet wurde.

Oja, er hat viele Gipfel erklommen, aber auch viele Täler durchschritten (z. B. als er im 1. Weltkrieg sein ganzes Vermögen verlor), und trotzdem bewahrte er Würde, Anstand und Stil.

So hat es also seine Richtigkeit, dass seit 1908 einer der wichtigsten und breitesten Promenadenwege des Kurparks dem Bürgermeister Rudolf Zöllner schmeichelt. 

 

 

Kalvarienberghöhle

ist die erste Höhle, die Sie selbst explorieren können. Der Einstieg in diese Höhle liegt 13 Meter westlich des Nordeingangs der Grufthöhle am Rand der zuvor eventuell überschrittenen kleinen Felsstufe und wird durch zwei kleine Einschlupföffnungen gebildet. Unmittelbar rechts davon führt der Pfad Richtung Zöllnerweg und letztlich in die Pelzgasse, und ist identisch mit der erst erwähnten Variante des Zugangs in dieses Geländebecken, das wie eine hohle Hand im Wald liegt.  

Ein wenig nördlich von hier befand sich die Position des Malers Gustav Schwartz von Mohrenstern, als er Mitte des 19. Jahrhunderts den mächtigen Felsen, der Gruft- und Kalvarienberghöhle birgt, mit seinem Bleistift porträtierte, waldlos. Der Felsblock wirkt in seiner Nacktheit beinahe obszön.

Wenn Sie nun in die Kalvarienberghöhle eindringen wollen, egal durch welche Öffnung, empfiehlt es sich erstmals, die eingangs beschriebene Höhlenausrüstung heran- bzw. sie anzuziehen.  Ein Schlaz ist sozusagen ein Verhüterli gegen Sand in der Hose.

Gleich nach dem Schlupf, wo man sich auf allen Vieren vorwärtsbewegt, befindet man sich in einem etwa 15 Meter langen, bis zu vier Meter hohen und maximal zwei Meter breiten, schräg liegenden Kluftgang mit Schuttboden. An der felsigen Decke kann man Bearbeitungsspuren erkennen, die angeblich darauf hindeuten, dass hier wie in zahlreichen anderen Höhlen Reibsand gewonnen wurde. Auch wenn es wie ein Mantra wiederholt wird, ist für mich nicht erkennbar, welchen Sinn es machen soll, hier nach Sand zu graben. 

Ich bin weder Geologe noch Archäologe, aber anders als in anderen Höhlen findet sich hier nicht dieses typische Sandmilieu. Nirgendwo rieselt er mehr oder minder ergiebig von den Wänden zu Boden, die Felsen scheinen ihn nicht herzugeben, und es wäre auch sehr herausfordernd, den Sand durch diese engen Kriechgänge hinauszuschaffen. Wenn diese Spuren tatsächlich von Sandgräbern stammen, dann waren es ziemlich verhaltensoriginelle Menschen, weil selbst ich am Mitterberg –zig Löcher und an der Oberfläche liegende Schürfstellen kenne, wo ein vergleichsweise problemloser Zugang zu den gesuchten Ressourcen gegeben ist. 

Die Höhle dürfte jedenfalls auf Grund ihrer Unauffälligkeit bei akzeptabler Bequemlichkeit im Laufe der Zeit immer wieder als Versteck gedient haben.

 

Morizruhe 

Moriz Gottlieb Saphir (* 8.2.1795 nächst Budapest – † 4.7.1858 in Baden) war Satiriker und Journalist. Ab 1806 besuchte er in Prag auf Geheiß der Eltern die Rabbinerschule, was ihm aber nicht behagte. Über Budapest kam er zehn Jahre später nach Wien, wo er „einen neuen Ton in die Journalistik“ brachte. Seine Zeitung trug den Namen „Der Humorist“, aber viele Badener konnten sich mit seiner umstrittenen, wiewohl schillernden Persönlichkeit nicht anfreunden. 

Zur Zeit des Vormärz, wo man die Stadt Baden gerne als „Schwarzgelbowitz“ titulierte, war Scharfzüngigkeit nicht unbedingt ein probates Mittel, sich in der Beliebtheitsskala weit oben einzutragen. Die Zeiten haben sich diesbezüglich ja nicht geändert. Aber Saphir trug auch durch sein sonstiges Verhalten nicht zu einem guten Ruf bei. 

In einer Ausgabe der Neuen Badener Blätter aus dem Jahre 1993 berichtet Autor Viktor Wallner von einer Realsatire, in deren Mittelpunkt Moriz Gottlieb Saphir stand:

 „M. G. Saphir borgte sich von einem Badener Bürger 50 Gulden aus und gab ihm als Pfand seinen Säbel und Gewehr (bei Saphir wusste man nie genau, auf welcher Seite er gerade stand, meistens waren es beide). (Anm.: Wien revoltierte gerade gegen Metternich, und Baden als gefolgstreue Stadt besaß eine eigene Nationalgarde. Eine entsprechende  Waffenausrüstung wurde bisweilen auch als „Sicherheit“ für ein Darlehen gegeben.) Als Saphir dann wieder in Wien war und nichts zurückzahlte, forderte ihn der Badener auf, endlich seine Schulden zu begleichen. So etwas empfand Saphir freilich prinzipiell als Zumutung und richtete seinerseits die Aufforderung an den Badener, ihm Säbel und Gewehr nach Wien zu bringen. Da aber mittlerweile der Besitz von Waffen bei Todesstrafe verboten worden war, blieb der Badener auf dem Säbel und auf dem Gewehr sitzen.“ 

50 Gulden: ein schöner Batzen, aber das Leben wog auch dem Badener mehr. Saphir war also ein Schlitzohr. 

Nichtsdestotrotz schrieb er viele Gedichte, Beiträge und Lobeshymnen über Baden, was dazu führte, dass man ihm 1852 einen vergleichsweise einfachen Pavillon im damaligen Stadtpark widmete, den die bekannten Architekten August Siccard von Siccardsburg und Eduard Van der Nüll errichteten. 

Vielleicht erstaunlich, dass sich die beiden mit einer solch baulichen Marginalie abgaben. Immerhin errichteten sie 1848 die Wiener Sophiensäle (die 2001 ein Raub der Flammen wurden), 1863 die Wiener Hofoper und in Baden 1853 die maurisch stilisierten Dampf-Douche- und Wannenbäder im Badener Kurpark (an Stelle des heutigen Parkhotels) sowie 1847 die ehemalige Mineralschwimmschule (die heutige Römertherme, die allerdings nur mehr in ihrem äußerem Erscheinungsbild an Siccardsburg und Van der Nüll erinnert, das aber eindrucksvoll). 
Das Erstaunen wird relativiert, der Bau begreiflich, wenn man sich vor Augen hält, dass Saphir mit Siccard von Siccardsburg gut befreundet war und sie zeitweilig in Baden sogar im gleichen Haus wohnten. Übrigens: Wussten sie, dass Van der Nüll 1840 das Original Schweizerhaus im Prater erbaut und damit den Grundstein zu einer gastronomischen Legende gelegt hat? Die Ausschank konnte sich architektonisch auch nicht mit den Repräsentationsbauten späterer Jahre vergleichen.

Im schwärmerischen Wortlaut zeitgenössischer Berichterstattung: „Wunderschön und feenartig nahm sich die freundliche, auf einem Plateau die ganze Umgegend dominierend gelegene Moritzruhe aus, welche in ihrem Feuerglanze wohlgefällig auf das lustige, fröhliche Treiben im Park herabzublicken schien.“

Die Innenwände dieses mit einem Satteldach gedeckten Holzpavillons waren mit gespannter Leinwand und Dekormalerei ausgestattet. Ein stabiler runder Tisch behauptete, von Bänken umgeben, seine zentrale Position. Darüber hinaus befand sich im Pavillon eine (Saphir angeblich nicht ähnlich schauende) Büste, gefertigt von Meister Le Grain sowie ein Gästebuch, das bald einen beeindruckenden Querschnitt damaliger Persönlichkeiten und Berühmtheiten repräsentierte. Allerdings auch jede Menge skurrile Einträge, von denen einige – im Gegensatz zum Gästebuch selbst – überliefert sind.

Im Badener Rollettmuseum existiert übrigens noch die oben erwähnte Büste des Dichters. 

Im Mittelpunkt des Pavillons waren folgende, von Saphir gedichtete Worte zu lesen, die aus heutiger Sicht wenig originell wirken:

 

Vereinigte Kräfte

Friedliebend, wahr und innig,

Recht ausübend, stark und sinnig,

Achtung allem Guten bietend,

nachsichtsvoll und mild verzeihend,

Zuversicht zur eignen Lenkung,

jugendlich in Waffenschwenkung,

offen, wenn es geht zum Rathen,

siegreich, wenn es geht zu Thaten,

edel seine Völker leitend,

furchtlos in die Zukunft schreitend.

 

An der Innenseite der beiden rund drei Meter hohen Flügeltüren befanden sich zwei weitere Saphir-Zitate: „Die Wurzel nach unten, den Wipfel nach oben, die Erde zu lieben, den Himmel zu loben.“ Und auf der rechten Tür: „Zum Dichter muß man geboren, zur Anerkennung muß man gestorben sein.“ Der Mann hat schon was.

Und er selbst hatte etwas gegen Johann Nestroy, seines Zeichens Theaterschriftsteller, und als solcher durch Moriz Saphir mit einem unerbittlichen Gegner – gesegnet ist das falsche Wort. Saphir schien in es in der Wiener Theaterzeitung zeitweise als seine Aufgabe betrachtet zu haben, Nestroy künstlerisch zu zerlegen. Anlässlich der Premiere von „Lady und Schneider“ ließ Saphir wissen, Nestroy zeige, „welch ein schwankendes, schwaches, ausgeblasenes Rohr“ er sei. Nestroy ließ sich nicht lumpen und schleuderte seinem Gegner „unbegrenzte Verachtung“ entgegen. Erstaunlich nur, dass Nestroy späterhin den im Alter verarmten Saphir durch ansehnliche Geldbeträge unterstützte, obwohl sich jener nicht gerade für diese Wohltat empfohlen hatte.

Als besondere Attraktion (neben „Lüften, mit Balsam getränkt“) konnten Spaziergänger bei der Morizruhe gegen ein geringes Entgelt (zu entrichten an die anwesende Aufseherin, die auch Schlüsselbevollmächtigte für die nahe Antonsgrotte war) durch grüne, blaue, gelbe und rote Gläser das Panorama der Kurstadt „in Color“ betrachten. 

Und dazu Soda mit Himbeer. Das waren noch Sensationen. 

Unter diesem Stichwort erlaube ich mir, Ihnen einige Kostproben aus dem zuvor erwähnten Gäste- bzw. Gedenkbuch, zu vermitteln. Wenn Saphir heute auferstünde und die 50 Jahre nach seinem Tod schon arg in Mitleidenschaft gezogenen und inhaltlich schwer belasteten

Blätter zu Gesicht bekäme, würde er wohl mit seinen Zensoraugen rollen und kurzen Prozess machen. Viele Federn wurden gespitzt, viel Tinte verspritzt, viel Papier vollgekritzelt, ohne dass die Qualität der Quantität die Waage halten würde. Das nur zur Warnung (Fehler sind Fehler).

 

Glaubt mir’s, meine Damen und Herr’n,

Ich möchte witzig sein, so gern,

Doch kommt man herauf bei dieser Hitz‘,

Sind bereits faul die besten Witz.

 

Glücklich ist, wer verfrißt,

Was nicht zu vertrinken ist!

 

Die Rose riecht, die Dorne stiecht,

aber meine Liebe nicht!

 

Drei Mädeln und ein Bua

Geben einander ka Ruah,

Sie wollen alle was dichten,

aber mit nichten!

 

Üb immer Treu und Redlichkeit

Bis an dein stilles Grab.

Doch wenn du hast Gelegenheit,

So stehle wie ein Rab‘.

 

Wahre Teufel sind die Männer,

sagen Frauen unverhohlen.

Und doch wünscht bei sich gar manche:

Möchte mich ein Teufel holen!

 

Zur freundlichen Erinnerung an mein Hiersein

 

Schön ist’s hier heroben – sagt meine Frau.

 

Soweit das Moritz-(Un)ruh-Buch!

 

Für Unruhe sorgte im Frühjahr 1912, als die Diebe mit den Bäumen erwachten, ein Einbruch, bei dem 200 Stück Badener Ansichtskarten und drei Kaffeegläser entwendet wurden.  Man fragt sich. 

Nach dem 1. Weltkrieg fand sich niemand mehr für die ständige Beaufsichtigung, nicht im Sommer und schon gar nicht winters. Niemand konnte oder wollte mit dem Verkaufserlös von Ansichtskarten und Erfrischungen sein Leben fristen. Ohne Betreuung, bedauerte die Stadtgemeinde, müsse die Morizruhe geschlossen bleiben, da sie sonst sinnloser Zerstörung ausgesetzt wäre.

Wenn wir nun die aktuelle Morizruhe betrachten, dann fällt auf, dass Saphir aus der Distanz von einigen Jährchen zum Freund Badens mutiert ist. Deutlicher werdend: Von seiner Seite bestand die Freundschaft zweifelsfrei und wohl auch in dauerhafter Qualität, nur Baden war nicht immer Saphirs Freund. Die Ehre, schließlich doch in den Olymp der Kurstadt aufgenommen zu werden, widerfuhr ihm vorwiegend auf Grund seiner lyrischen Hervorbringungen, partiell nachzulesen auf der aktuellen Gedenktafel, wo die letzten vier Zeilen des nachfolgenden Gedichts von seiner reich strömenden Zuneigung künden:

 

Baaden

Ich weiß nicht, wie ich sie beschreibe,

Die Welt der Lust und Majestät,

Die kleine bunte Zauberscheibe,

Auf der die große Welt sich dreht?

 

Ein Demant ist’s, in reichen Spangen

Gefasst von Schöpferin Natur;

Ein Frauenbild mit Blütenwangen,

Das ruht in einer Blumenflur;

 

Ein Feenweib mit gold’nem Stabe,

Das an die reiche Erde schlägt,

Dass sich ergieß‘ die Balsamgabe,

Die sie in ihren Adern trägt;

 

Ein tanzend Kind mit off‘nen Haaren,

Die süßen Glieder unverschanzt,

Das durch der Berge Männerscharen

Mit Freude blumenstreuend tanzt;

 

Ein lyrisches Gedicht aus Lettern,

Die, wie in Büchern früher Zeit,

Aus Menschenköpf‘ und Rosenblättern

Gar lieblich sind zusamm’gereiht; 

 

Ein süßes Märchen, ausgesonnen

Und nacherzählt am Wunderquell,

Ein Städtchen, aus der Luft gesponnen:

Ein kleines Wien in Aquarell.

 

Baden fühlt sich bis heute geschmeichelt.

 

Als Saphir in Baden das Zeitliche segnete (übrigens im sogenannten Eisenstädter Haus am Franzensring 11, wo im Nachbarhaus Nr. 9 der einstige Bürgermeister Viktor Wallner mit Blick auf Saphirs Sterbezimmer wohnte), pilgerte der Dichter und Museumskustos Hermann Rollett, eine Badener Kulturinstitution, hier herauf und notierte im erwähnten Gästebuch:

 

Du warst sinniger als Millionen,

inniger als Tausende,

charakterloser als viele,

und du bist jetzt

glücklicher als alle.

 

Damit ist das Wesentliche gesagt.

 

Der Saphir zu Ehren errichtete Pavillon wurde 1938 aus politischen Gründen zerstört, anderen Angaben zufolge soll er 1945 abgebrannt sein. Vielleicht stimmt beides.

Im Jahr 1985 montierten die „Niederösterreichischen Nachrichten“ für den journalistischen Wegbereiter die oben angesprochene Gedenktafel. 

Die Sitzgruppe mit den beiden geschmacklosen Bänken und dem Tisch dazwischen, die auf dem hehren Stufenpodest des ehemaligen Bauwerks unangenehm deplatziert wirken und nicht dem Geiste griechisch-römischer Proportionen anhängen, wäre vielleicht etwas zum Ausschlachten für Saphirs Zeitschrift gewesen.

An dieser Stelle, das sei noch erwähnt, befand sich in früheren Zeiten, markiert durch ein kleines Schutzhäuschen, auch das Ende des Parks und seiner zahlenmäßig noch bescheidenen Wege. Eine Gesteinsmauer riegelte den Park in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gegen den öden Berg hin ab.