Schlaglichter auf eine Biografie

Fraglos bin ich geboren, und zwar am 21. Jänner 1957 in Baden, wo ich seither überwiegend lebe, was bedeutet, dass ich auch die Schulen hierzulande trotz Jahren des Mobbings überlebt habe.

Anschließend erfolgten Mitte der 1970er-Jahre die ersten Weichenstellungen.

Zum einen begannen erste schriftstellerische Versuche, die ihre Wurzel in der beharrlichen Ermutigung meines Deutschlehrers fanden. Eine Bestätigung erfuhr ich im Rahmen eines Wettbewerbes, den das Land Niederösterreich 1973 für die Schulen ausschrieb. Mein Aufsatz „Ich bin der Nächste!“ (nämlich beim Zahnarzt im Wartezimmer) brachte mir (in Gesellschaft dreißig anderer) einen Anerkennungspreis. Der damalige Landeshauptmann Maurer empfing den gemischten Haufen offenbar talentierter Jugendlicher im Landhaus in der Herrengasse in Wien, und er durfte mir die Hand schütteln, ehe wir im noblen Palais Palffy geatzt wurden.

 

Von Anbeginn konnte und wollte ich mich nicht auf bestimmte Literaturgattungen festlegen, sondern pendelte zwischen dem Schreiben von (stilistisch höchst unterschiedlichen) Gedichten, Kurzgeschichten und Romanversuchen.

 

Zum zweiten entdeckte ich die Liebe zu einer Musik, die damals wie heute in Österreich nicht weit verbreitet bzw. populär ist. Auslöser war die für meine Begriffe desaströse Populärmusik der 1970er-Jahre, die – Hand in Hand mit der schrägen Mode jener Zeit – Abneigung in mir auslöste. Alles war überdimensioniert damals: Hohe Schuhabsätze, deren Plumpheit höchstens von den Schulterpolstern der Damen übertroffen wurden, die wie Catcher daherkamen, die Glockenhosen waren auch nicht als „slim fit“ zu bezeichnen, musikalische Gruppierungen aller Art erschienen in glamourösen, übertriebenen, tendenziell geschmacklosen Outfits, siehe ABBA oder Elvis Presley, der ganze Glitter, der artifizielle Wirbel auf der Bühne, das war alles nicht meines. Meine Philosophie ist bis heute eher minimalistisch. 

Ich wandte mich den sogenannten „Evergreens“ oder „Oldies“ zu, die ihre Wurzeln im Jazz hatten, und sich nach und nach großflächig als aus Bühnenstücken oder Filmen herausgesprengte Ohrwürmer entpuppten, die bis in die 1960er-Jahre (als die bis dahin bestimmenden Komponisten von Boygroups wie den Beatles oder Rolling Stones abgelöst wurden) zumindest in Amerika im Radio rauf und runter gespielt wurden. 

 

Schon seit meiner Jugend hatte ich am Badener Stadttheater Gelegenheit, gemeinsam mit meinen Eltern unzählige Operetten anzuschauen. 1970 wurde ich mit Cole Porters „Kiss Me, Kate“ konfrontiert, dessen Jazzeinflüsse, Themenwahl und Personenzeichnung das Genre der Operetten altbacken wirken ließ. 
Was Wunder, dass ich begann, das weite Land von Jazz und Musical zu erforschen und mittlerweile über Jahrzehnte hinweg nicht nur eine mehr als respektable Sammlung von Tonträgern und spezifischer Literatur, sondern vor allem ab 1981 ein Verzeichnis angelegt habe, das dem Internet diesbezüglich (auf Grund der Übersichtlichkeit) um nichts nachsteht. 

 

Auch die Hobbies, die mich ein Leben lang begleiten, finden ihren Ursprung in diesen 1970er-Jahren: Tanzen, Tischtennis, Tennis, Schifahren, Schwimmen, Bergwandern (1978 bestieg ich mit meinem Vater den Großglockner) – und das Sammeln franko-belgischer Comics. Vor allem Tennis und Schifahren haben sich in den letzten Jahrzehnten ausgedünnt, aber dem tagelangen Durchqueren der Bergwelt bin ich bis heute treu geblieben, auch dem bevorzugten Schwimmen in diversen Seen und dem Tischtennis.

 

Im Jahre 1974 trat ich ins Berufsleben ein, ein hartes Brot in der damaligen NÖ. Gebietskrankenkasse (heute ÖGK), weil Unangepasste nirgendwo in einem traditionseingefrorenen, etablierten Biotop begeisterte Aufnahme finden. Damals entstand mein Wunsch, irgendwann als Autor zu reüssieren.

 

Die 1980er-Jahre war für mich persönlich das Jahrzehnt des Reisens: Prägende Erfahrungen (oft als Einzelreisender) in Nepal, Ladakh, den USA, Canada, Südfrankreich, Apulien, Kroatien, Toskana, Burma (Myanmar), Thailand und China begleiten mich und erfüllen mein ganzes Leben mit Freude. 

Die Reisen schlugen sich in zahlreichen Arbeiten nieder, etwa über das damals noch sehr ursprüngliche und höchstens von Einzelreisenden belästigte Burma, über Frankreichs Languedoc/Roussillon bzw. Okzitanien (letzteres Projekt über die Cevennen/das Massiv Central steht immer noch auf der Liste geplanter Veröffentlichungen), über Eindrücke von den Plitvicer Seen (liegt detto als fertiges Projekt vor) bis zu einem Buch über Venedig, welches gemeinsam mit dem Fotografen Kurt Gieszer im Jahre 1987 als erstes größeres Werk realisiert wurde.

Ab 1984 veröffentlichte ich zwei Gedichtbändchen (bessere Broschüren), die in der Öffentlichkeit keine Wirkung entfalteten – im Gegensatz zum „Mythos Venedig“, der schon zwei, drei Jahre nach Erscheinen vergriffen war.

Dieses Jahrzehnt, an dessen Beginn der Verlust meiner Mutter stand, war in vieler Hinsicht eine Befreiung und Selbstfindung. Beziehungen begannen und endeten, und als Autor lebte ich schon damals mit der Gunst des Schicksals, das Leben nicht in Abhängigkeit von meiner Schreibkunst fristen zu müssen. Ich konnte nach Lust und Laune zwischen grundverschiedenen Schreibstilen und Literaturgattungen gustieren, denn immerhin hatte ich einen sicheren Brotberuf in unmittelbarer Nähe (kein zeitintensives Pendeln!) und war weitgehend ungebunden.

 

Diese Freiheit führte auch zur Beschäftigung mit Politik. Zur Erinnerung: Es war die Zeit des Waldsterbens, von Zwentendorf und Tschernobyl wie auch der Au-Besetzung nahe Hainburg. Unter dem Eindruck des schon damals heftig diskutierten Berichts des Club of Rome aus den 70er-Jahren suchte ich 1984 Kontakt zu der kürzlich gegründeten Alternativen Liste, die in Baden, aber auch in Österreich Wegbereiter für grüne Politik war – natürlich angefeindet von der herrschenden ÖVP und abgelehnt auch von der SPÖ, in deren Flügelbetrieb ich meine Brötchen verdiente. 

Zuviel Radikales abseits des Hausverstandes und die bedrohliche Unvereinbarkeit mit der sozialdemokratischen Ausrichtung meines Arbeitgebers ließen mich nach rund zwei Jahren den Abschied nehmen.

 

Auf Grund der Mitverantwortlichkeit für die Herausgabe der AL-Partei-Postille, war ich journalistisch auf den Geschmack gekommen und dockte bei der Badener Stadtzeitung an, deren Herausgeber mich vorwiegend Artikel zu den Themen Kultur- und Verkehr schreiben ließ, meist aber dem Kampf gegen die in Baden etablierten Kräfte den meisten Platz einräumte (und Lawinen von Werbeanzeigen). Mit dem damaligen Bürgermeister Breininger lag er in einem zermürbenden Kleinkrieg.

Als er eines Tages beschloss eine Bürgerliste namens Liste Unabhängiger Badener (LUB) zu gründen und zu kandidieren, ließ ich mich aufstellen. Da bei der Gemeinderatswahl 1990 nur der Gründer selbst mit einem Mandat zum Zug kam, war’s das.

Im Bürojob stand ich währenddessen unter Druck, da ich alleine für die Abrechnung der Transportkosten aller Rettungsdienste im Bezirk verantwortlich war. Vorsichtig ausgedrückt: Auffassungsunterschiede bezüglich Prägnanz und Korrektheit eingereichter Abrechnungen führten zu fortgesetzten Auseinandersetzungen, da die Bestrebungen nach Gewinnmaximierung auf der einen Seite und meinem Bestreben, mit den Mitteln der Versicherten sorgsam umzugehen, einander teils diametral entgegenstanden.

 

Infolge persönlicher Bekanntschaft mit einem Zeichner beschäftigte mich 1985 das Schreiben eines Comic-Szenarios, aber der Zeichner war nicht erfolgreich und das galt auch für mich.

 

Gegen Ende dieser ereignisreichen 1980er-Jahre (1987) lernte ich eine Musikerin kennen, die eine kompositorische Nase für Melodien besaß. Da ich schon Jahre zuvor begonnen hatte, aus einer beeindruckenden Erzählung von Johannes Mario Simmel („Das geheime Brot“) ein Musical zu machen und das Libretto schon Ende der 1970er Form angenommen hatte, lag ein gemeinsames Projekt nahe. Nachdem etwa ein Drittel der vorhandenen Lieder vertont waren, trennten sich unsere Wege, und das Stück war Geschichte. Abgesehen davon wollte Simmel selbst von einer Vertonung seiner Hervorbringung nichts wissen – ähnlich wie George Bernhard Shaw, ehe „My Fair Lady“ ein Welterfolg wurde. Angeblich schrie Simmel Zeter und Mordio, und der Verlag, der positiv eingestellt war, musste ablehnen. Mittlerweile vergibt der Nachfolge-Verlag die Rechte (dank des Ablebens des Autors), aber niemand will die Partitur fortsetzen, wo ein anderer begonnen hat. Ein Dilemma!

 

1987 entwickelte ich ein Buch mit erotischen Texten. Eine Veröffentlichung scheiterte schon daran, dass ich keinen passenden Illustrator auftreiben konnte. Indessen machte das Cevennen-Buch Fortschritte.

 

Im Jahre 1988 bemühte ich mich, das Saxophonspiel zu erlernen, was sich ohne beständiges Üben als schwierige Übung erwies, sodass ich es nach zwei Jahren und einigen wenigen mühsamen Auftritten wieder bleiben ließ.

 

1989, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs, tauchte der Plan auf, mit einem Freund, der magyarische Vorfahren hatte, einen Reiseführer über Ungarn zu gestalten. Ich war für die Fotografien zuständig, er – als Kenner des Landes – für den Text. Zwei Jahre später bestand dieser immer noch aus einigen Seiten in einem Schulheft.

 

1990, das Herumkutschieren in der Gegend schon gewöhnt, begann ich das Projekt „Stadtplätze Europas“ zu verfolgen. Ein paar tausend Kilometer später – ohne Verfügbarkeit über jemand, der die gerade in Mode kommenden Drohnen hätte steuern können – ließ ich das Projekt wegen Aussichtslosigkeit fallen. Einige Jahre später konnte jedermann im Internet die Beschaffenheit der Städte von oben wahrnehmen und zahllose Fotos zirkulierten, und die Sinnhaftigkeit des Projekts war schlicht nicht mehr zu argumentieren – abgesehen vom ungeheuren Aufwand. Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben – oder so.

 

1991 zeigte der WWF Interesse an meinen Fotos vom kroatischen Nationalpark Plitvice. Es bestand aber nur die Absicht Ansichtskarten herstellen und kein Buch. Dieses Vorhaben entsprach ganz und gar nicht meiner Vorstellung. Ich lehnte ab. Aber die Idee, Fotos feilzubieten, griff ich auf, und in den folgenden Jahren verkaufte ich (gemeinsam mit Hervorbringungen meiner Frau) auf Weihnachts- und Ostermärkten neben Nudelengel selbstgebastelte Billetts mit stimmungsvollen Fotos.

 

In den 1990er-Jahren änderte sich mein Leben radikal. Ich heiratete, und aus der Verbindung entsprangen – wie es so treffend heißt – zwei Töchter, die mittlerweile längst eigene Wege gehen und formidable Menschen geworden sind.

Für das Ausleben von Kreativität blieben in diesem Jahrzehnt weniger Möglichkeiten, natürlich geschuldet der Familie, obwohl der Besuch zahlreicher Seminare (Kosmetik, Marketing, naturgemäße Schmerzbekämpfung, Akupressur, Fußreflexzonenmassage, biologischer Landbau, mentales Integrationstraining, Meditation) und vor allem die von meiner Frau betriebene Gründung einer Montessori-Schule lehrreich und eine Herausforderung war.

Nichtsdestotrotz begann ich im Jahre 1993 mit dem Schreiben einer Sitcom, die auf Grund der  Spielfilmlänge einer Folge wohl eher als Satire einzuordnen war. Sie behandelte Umweltthemen, indem sie sich über unfähige Gemeindepolitiker belustigte und teils in die Skurrilität abglitt wie „Kottan“. Zwischenmenschliche Auseinandersetzungen inklusive. Nach Fertigstellung von sieben Folgen und fast ebenso vielen Ablehnungen der TV-Anstalten ließ ich das Unternehmen sein.

Heute sind die Aktualität und der Neuwert natürlich verloren, aber wenn ich beim Nachlesen meiner eigenen Ergüsse unversehens in Lachen ausbreche, kann ich gar nicht glauben, dass ich diese Dialoge verfasst habe. Und wer erinnert sich heute noch an den Ötscherbären?

 

Im Jahre 1994 bot sich mir die Möglichkeit, meinen Einakter „Herbergsuchen“ an der damals neu etablierten Biondekbühne am Badener Gymnasium unterzubringen, wo das Stück einige Male von den Schülern gespielt wurde, bevor es in der Versenkung verschwand. Schon damals ging es um die Integration anderer Nationalitäten, was sich in einer Art Romeo/Julia-Story niederschlug.

 

Unter dem Eindruck eigener Vaterschaft schrieb ich 1997 gemeinsam mit dem blutjungen begabten Zeichner Gregor Pfingstl das Kinderbuch „Kuddel und Muddel“, stilistisch angelehnt an den Stil einer Mira Lobe, die allerdings erfolgreicher war. Das Buch wurde später in drei Exemplaren für die Abschlussprüfung eines anderen Zeichners gedruckt, aber für die weitere Verfolgung dieses Projekts und den Knochengang von Verlag zu Verlag fehlten mir Zeit und Lust.

 

Am Ende des Jahrzehnts konnte ich meine beiden beherrschenden Interessen – eigenes Schreiben und die Beschäftigung mit der Gattung Musical – vereinen und schrieb für die Amateurproduktion der Biondekbühne die deutsche Übersetzung der song lyrics von David Shire’s und Richard Maltby‘s Broadway-Mujsical „BIG“, nach dem bekannten Film mit Tom Hanks. Das Stück wurde 2001 – glaube ich – neun Mal gegeben, aber die Rechteinhaber gewährten mir als in der Szene völlig Unbekannten keinen offiziellen Status. Offen gestanden habe ich mich nicht darum gekümmert, ob das Musical im deutschsprachigen Raum über diverse Amateurproduktionen hinausgekommen ist. Für mich jedenfalls war die Arbeit daran eine wunderbare Erfahrung. 

 

Schließlich geriet ich ein drittes Mal in die Fänge der Politik. Als sich nämlich die Unzufriedenen in der SPÖ und einige meiner Kollegen fanden, schloss ich mich dem Tross an und kandidierte bei der Gemeinderatswahl 2000, worauf ich in den Gemeinderat einzog.  Voraussetzung für meine Kandidatur war, dass ich dem Klubzwang bei Abstimmungen nicht sklavisch zu folgen brauchte, was einige Male zu Konflikten führte. Ansonsten wurde mir in den zehn Jahren deutlich gemacht, dass Politik ihre Spielregeln besitzt und keine davon lautet (parteiübergreifende) Zusammenarbeit, Brainstorming, Kreativität, Spontanität, Handschlagqualität, Engagement – fügen Sie nach Lust und Laune bekannte Klischees ein. Nichtsdestotrotz denke ich, dass ich mit 90% der GR-Mitglieder ungeachtet ihrer Ideologie privat und „dienstlich“ gut auskam.

In den letzten Jahren des Jahrzehnts brach mein Engagement ein und desgleichen meine Ehe zusammen. 

 

Rückblickend erscheint es mir unglaublich, dass ich in den Jahren der Mehrfachbelastung zwischen Beruf, Familie und Parteipolitik Kraft und Zeit fand, immerhin vier Bücher zu publizieren und in diesem Zusammenhang zwischen 50 und 100 Interviews zu führen.

 

Als das für einen Autor denkwürdigste Ereignis wird mir für den Rest meines Lebens die Präsentation des Buches „Süßes Baden“ in Erinnerung bleiben.  Den ganzen Tag vor der abendlichen Lesung war ich mit dem Auto kreuz und quer unterwegs gewesen, um Süßspeisen einzusammeln (von den im Buch porträtierten Konditoren, Bäckern, Köchen, Privatpersonen, die mich großartig unterstützten), sodass sich abends in den Räumlichkeiten der gerade umgebauten Volksbank die Beistelltische bogen – es waren Unmengen von Torten, Kuchen und Keksen, ein Schlaraffenland! Da aber auch die Besucher in Scharen den Saal füllten bzw. ihn gar nicht mehr betreten konnten, weil er aus allen Nähten platzte, blieben kaum ein paar Krümel übrig. Jedenfalls nicht für den Autor, der mit zeitraubenden Autogrammgeben seine Möglichkeiten verschenkte.

Das Buch war auch deshalb ein Meilenstein, weil ich im Vorfeld nahezu jedes Rezept, das mir zugetragen wurde oder das ich aufstöberte und veröffentlichen wollte, eigenhändig nachkochte. Niemals hätte ich irgendjemanden zum Genuss eingeladen, denn optische Dissonanzen kredenzt man nicht. Ich wollte bloß vor Veröffentlichung wissen, wie die propagierten Süßspeisen schmecken.

 

Im Büro wurde zwischenzeitlich die Verrechnung der Transportkosten in die Hauptstelle nach St. Pölten übersiedelt, wo nun maschinell nur mehr Formfehler aufschienen und jegliche Kontrolle über die Rechtmäßigkeit von Auszahlungen perdu war. Passte aber ins Bild, weil im neuen Jahrtausend auch keine Krankenkontrollen mehr stattfanden. Soviel zum sorgsamen Umgang mit dem Geld anderer, namentlich der Versicherten und Bürger.

Ich aber wechselte mein Berufsbild, unterzog mich der Ausbildung zum Case Manager und arbeitete im letzten Drittel meines Bürodaseins für die Bedürfnisse alter und schwerkranker Menschen, die größtenteils REHA-Geld von der PVA bezogen, sprich, fungierte als deren Betreuer, Ratgeber und Advokat.

 

Meine Scheidung zog sich bis ins Jahr 2015, wobei ich mich während dieser zermürbenden Zeitspanne mit der Veröffentlichung weiterer Bücher ablenkte. Interessanterweise werde ich bis heute prominenter als polarisierender Leserbriefschreiber wahrgenommen, denn als Autor (vermute ich), stört aber nicht. 

2012 starb mein Vater bald nach meiner Stiefmutter.

 

Das Jahr 2014 brachte zwei Projekte, eines davon – der 3. Band der Heurigenanekdoten – materialisierte, das andere – „Österreichischer Pilgerpfad für Naschkatzen“ – scheiterte an der mangelnden Begeisterung der Konditoren und Pâtissiers, deren Phantasie in einem Drittel der Fälle nicht ausreichte, sich vorzustellen, dass man Tourismus- und Süßspeisenangebot zu verknüpfen vermag, Beispiel: Zauner – Ischl. Der Erfolg dieses missgeleiteten Abenteuers schlug sich in einer Gewichtszunahme nieder und am besseren Kennenlernen von Gegenden, die sich sonst wohl nicht aufgesucht hätte.

 

Wie auch immer, im selben Jahr verlieh mir die Stadt Baden den Rollettpreis, vermutlich für meine heimatkundlichen Bemühungen.

 

Als Reaktion darauf stürzte ich mich in zwei neue Unternehmungen, die noch ihres Abschlusses harren: Eine subjektive Chronik der Stadt Baden, grob über die Zeitspanne von 1980 – 2020, zumal ich diese Zeit höchstselbst erlebt habe und über einiges Material verfüge. Das zweite Buch, noch angeregt vom verstorbenen Stadtarchivar Rudolf Maurer, beschäftigt sich mit dem Weikersdorfer Schlosspark bzw. Doblhoffpark, ein Projekt, dessen Realisierung (mit dem leider kürzlich verstorbenen Fotografen Ferdinand Hirschhofer) hoffentlich bevorsteht.

 

Im neuen Jahrtausend diente ich dem KFJ-Museum als Rechnungsprüfer und seit einigen Jahren anstattdessen als – viel zu wenig verfügbarer – Archivar. Allerdings ist es eine spannende Aufgabe, als schlichter Verein mit einer Handvoll tätiger Personen ein solches Unternehmen zu führen.

 

Seit 2019 bin ich in Ruhestand und übe beständig den alten Pensionistengruß „Ka Zeit!“ (Copyright Trude Marzik)
Als ich doch einmal Zeit erübrigte, realisierte ich mit meinem Freund Franz Wünsch (mein Partner aus "Tonspuren") den Bild-Textband "Burano", den ich gerade so kostendeckend im Eigenverlag publizierte. Auf die Gedichte in diesem Buch, aber auch auf die meiner Meinung nach außergewöhnlichen Fotos bin ich rechtschaffen stolz. Und schon erstaunt war ich, dass viele meiner Mitbürger die Insel Burano in der Adria vor Venedig nicht kennen.

Nun, einige Projekte harren noch der Realisierung (Neuauflage von "Süßes Baden", ein Buch über den Fluss Schwechat, und einiges, das zumindest fragmentarisch schon in Worte gegossen ist. Der schwarze Mann muss noch warten.

 


Kurzgefasstes Werkverzeichnis:

 

1982  „Der Lärm der Spielenden“ (Gedichte und vorwiegend eigene Illustrationen)

1983  „Zähne (zusammen)beißen“ (Gedichte)

1987  „Mythos Venedig“ – Lyrik zum Bildband (mit dem Fotografen Kurt Gieszer)

1988  „Der Phönix von Wien“ – Musical-Libretto nach Johannes Mario Simmel

            (mit Musik von Sabine Schaubmayr)

1994  „Herbergsuchen“ – Einakter für Schulen

1997  „Kuddel und Muddel“ – Kinderbuch mit Reimen und Illustrationen von Gregor Pfingstl

2001  „Big“ – deutsche Liedtexte zum Broadwaymusical für Aufführungen der Badener 

            Biondekbühne

2002  „Kultur auf Schritt und Tritt“ – Kultur- und Wanderführer durch den Wienerwald

2005  „Ein Zeichen von dir“ – Liebesgedichte (Kompilation mit anderen Autoren)

2006  „Süßes Baden“ – ein Süßspeisen- und Cafégeschichtenbuch inkl. historischer Rezepte

2008  „Tonspuren“ – beschäftigt sich mit Wirkungsstätten und Biografien in Baden        (vorübergehend) lebender Komponisten (mit Aquarellen von Franz Wünsch)

2010  „Bei an Glasl Wein“ – Heurigenanekdoten Band I      

(mit von Olaf Stark gesammelten Fotografien) 

2011  „Die Rache der Reblaus“ – Heurigenanekdoten Band II

2012  „Wenn Wörter in die Reihe tanzen“ – Extremreime (illustriert von Ewa Reutt)

2013  „Der Lausbua vom Badnerberg“ – Biografie von Raimund Gröbner, eines 

„Tom Sawyer“ aus Baden, basierend auf seinen Tagebüchern  

2014  „Jäger des verlorenen Ruhms“ – Biografie des Komponisten Kurt Steiner-Belfanti

2014  „Ausg’steckt und ein’zogn“ – Heurigenanekdoten Band III

2015  „Von raffinierten Kochkünsten“ – Erzählungen und Gedichte über erlesene Speisen, 

            (Kompilation mit anderen Autoren)

2017  „Der Lärm der Spielenden“ – Dunkle Gedichte (Erweiterte Neuauflage)

2017  „Kultur auf Schritt und Tritt“ Band I (Erweiterte Neuauflage)

2020  „Kultur auf Schritt und Tritt“ Band II (Erweiterte Neuauflage)

2021  „Schade, dass man Wein nicht streicheln kann“ (Kompilation mit anderen Autoren)

2023  „Prost – Sollst leben!“ – Heurigenanekdoten Band IV

2024  „Burano – Farbenspiel in der Lagune“ – Gedichte und Fotografien 

(zuzüglich Aquarelle und Kreidezeichnungen von Franz Wünsch)